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Grey Heron Ardea cinerea ©Ashley Beolens http://www.beolens.co.uk/photography/

Hessen, ein für Ornithologen wenig bekanntest Bundesland

Das Bundesland Hessen liegt mit seiner Größe von etwa 21.110 Quadratkilometer mitten in Deutschland und gliedert sich in drei Regierungsbezirke (Kassel, Gießen, Darmstadt). An Hessen grenzen im Westen beginnend die Bundesländer Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Thüringen, Bayern und Baden-Württemberg. Zum Bundesland Hessen gehören als größere Städte Frankfurt am Main, Offenbach, Darmstadt, Wiesbaden (Landeshauptstadt), Gießen, Marburg und Kassel.

Klimatisch liegt Hessen am Rand der atlantisch geprägten Zone. Da das gesamte Bundesland Hessen südliche der Mittelgebirgsschwelle liegt besitzt es nur im südlichen und mittleren Teil größere ebene Bereiche. Hierbei handelt es sich um die Oberrheinische Tiefebene und als nördlicher Ausläufer in die Wetterau mündet. Hessen besitzt keine größeren natürlichen stehenden Gewässer, ist jedoch reich an Fließgewässern. Größere Fließgewässer, die durch Hessen fließen sind der Rhein, Main, Kinzig, Lahn, Eder, Fulda, Werra und Weser. Ornithologisch bemerkenswerte Gebiete liegen besonders am Rhein (Inselrhein bei Rüdesheim, Kühkopf-Knoblochsaue und der Lampertheimer Altrhein).

Durch menschliche Aktivitäten sind in den letzen 100 Jahren einige stehende Gewässer entstanden. So liegen in Nordhessen die Stauseen Edersee, Diemelsee und der Affoldener Stausee. Im mittleren Hessen findet man neben dem Aartalsee, einem größeren Stausee mit kleinerer Vorsperre die dem Naturschutz dient, einige Kiesseen von Marburg an der Lahn bis Wetzlar, Seen die durch den Braunkohletagebau entstanden sind in der Wetterau und einige anderen Gewässer (z. B. Mooser Teiche im Vogelberg). Südlich des Mains liegen weitere Kiesseen.

Weiterhin kann man Hessen als stark bewaldetes Bundesland ansehen, da über 40 % seiner Landesfläche mit Wald bestockt ist. Die großen Laubwaldungen werden meinst von der Rotbuche (Fagus sylvatica) gebildet. Der Kellerwald wurde als Nationalpark für diesen Wald ausgewiesen. Der Buchenwald prägt auch das Biosphärenreservat Rhön mit seiner höchsten Erhebung, der Wasserkuppe (Hier wurde das Segelfliegen erfunden). Charaktervogel der Rhön ist der Rote Milan Milvus milvus. Vereinzelt kann man hier das Birkhuhn Tetrao tetrix sichten. Daneben bestehen, besonders in den Tieflagen, auch größere Eichenmischwaldungen. In diesen Wäldern fühlen sich Mittelspecht (Dendrocopos medius), Schwarzspecht (Dryocopus martius), wie auch weitere vier Spechtarten wohl. Auch der Wespenbussard Pernis apivorus besiedelt diese Waldungen. Daneben kann man besonders im mittleren und nördlichen Hessen den Schwarzstorch Ciconia nigra finden. Ein für Eulenkenner schönes Gebiet liegt nördlich von Marburg. Es handelt sich um den Burgwald, wo man den Sperlingskauz (Glaucidium passerinum) und den Rauhfußkauz Aegolius funereus aufspüren kann. Eine Besonderheit findet man im, zum Rheinischen Schiefergebirge zählenden, Westerwald an der Westgrenze des Bundeslandes. Hier existieren noch Niederwälder, dass heißt Wälder die alle 25 bis 30 Jahre auf den Stock gesetzt werden und wieder austreiben. In diesen Wäldern hat das Haselhuhn Bonasa bonasia bis in unsere Zeit überlebt. Auch den Ziegenmelker Caprimulgus europaeus kann man in diesen sogenannten „Haubergen“ entdecken. Diese Hauberge werden nach einem sehr alten Recht durch die Haubergsgenossenschaften bewirtschaftet. Das größte Vorkommen des Ziegenmelkers in Hessen liegt in den Kiefernwälder in der Mainebene.

Am Übergang von der Oberrheinischen Tiefebene in das Rheinische Schiefergebirge liegt der Rheingau. Ein bekanntes Weinanbaugebiet, in dem man von Rüdesheim flußabwärts in den Weinbergen die Zippammer Emberiza cia finden kann.

Größere agrarisch genutzte Flächen, auf denen regelmäßig z.B. der Mornell Charadrius morinellus rastet, liegen in der Wetterau. In der Wetterau finden sich viele geschichtsträchtige Orten und sie gehört zu den ältesten Kulturlandschaften Deutschland. Den hier vorkommenden Lößboden nutzten schon die Römer und daher erreicht der Limes hier seinen nördlichsten Punkt. Das Flußsystem in der Wetterau wurde als erster Auenverbund unter Schutz gestellt. Bei regelmäßig stattfinden Überschwemmungen könnten zur Zugzeit viel Wasser- und Watvögel rasten. Arten wie Rohrweihe Circus aeruginosus und Tüpfelsumpfhuhn Porzana porzana kommen an verschiedenen Stellen in der Wetterau als Brutvogel vor.

Hessen ist weiterhin ein Bundesland mit noch relativ vielen Streuobstwiesen, in denen man im mittleren und südlichen Hessen häufig den Steinkauz Athene noctua finden kann. Hessen besitzt nach Nordrhein-Westfalen den größten Steinkauzbestand in Deutschland.

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Arzbachniederung nahe Schröck im Mai

Bekassinen, Brachvögel, Kiebitze und andere Wiesenbrüter waren bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts verbreitete Brutvögel im Amöneburger Becken. Um das Land nutzbar zu machen, wurde es großflächig entwässert und hier wie auch in vielen anderen Teilen Deutschlands verloren diese Vögel ihre Brutreviere. Heute stehen sie alle als stark gefährdet oder als vom Aussterben bedroht auf der Roten Liste. In der Arzbachniederung ist im Jahr 2002 durch die Zuschüttung des Arxbaches ein neues Feuchtbiotop entstanden, das Wiesenbrütern ein geschütztes Brutrevier bieten soll. Um das Gras kurz zu halten, werden Hochlandrinder und Pferde eingesetzt. Zu bestimmten Zeiten halten sich hier u.a. Braunkehlchen, Bekassinen und Kiebitze auf. Zudem ist die Niederung eine gute Option z.B. für die Greifvogelbeobachtung, wie etwa Rohrweihe, Schwarz- und Rotmilan.

Baggerteiche Niederwalgern / Rieselfeld Roth

Wir beheimaten im Marburger Raum nicht nur eine Vielzahl von Brutvögeln, sondern - was oft weniger im Fokus ist - auch eine unglaublich hohe Zahl an Durchzüglern und Nahrungsgästen. Die einzigartige Topographie des Lahntales mit den beiden begrenzenden mittelgebirgsartigen Höhenzügen wirkt auf viele Zugvögel wie eine Art Trichter. Augenscheinlich wird dies zwei Mal im Jahr bei den Kranichen - bekommt man als Gelegenheitsbeobachter vielleicht ein paar Formationen mit, so werden bei den professionell geführten Zählungen an den Baggerteichen Niederwalgern manchmal Hunderte von Keilen mit einigen Zehntausend Kranichen registriert! Damit entfällt auf das Lahntal ein beträchtlicher Teil des gesamten Zuggeschehens nur bei dieser Art. Ähnliches gilt aber auch z.B. für den Fischadler, der im Lahntal gemessen am Gesamtbestand besonders häufig gesehen wird. Neben diesen eher spektakulären Arten sind es aber auch viele auf Zug befindliche Singvögel oder Limikolen, darunter auch sehr seltene Arten, die man hier immer wieder antreffen kann. Da die Baggerteiche Niederwalgern für die meisten Vögel nur Duchzugsstation sind, ist das Geschehen hier ausgesprochen dynamisch - in einem Moment kann völlige Ruhe herrschen, im nächsten kann es schon hochspannend sein. Hier kann (fast) ALLES aufkreuzen!

Burgruine Frauenburg

Wer in Marburg den Punkt mit der größten Weitsicht und dem besten Rundumblick für die Vogelbeobachtung sucht, kommt an der Burgruine Frauenberg nicht vorbei. Von der Beobachtungsplattform aus bietet sich eine atemberaubende Perspektive auf das Marburger Schloß, die Amöneburg, die Baggerteiche Niederweimar und weit darüber hinaus

Die Radenhäuser Lache

Die Radenhäuser Lache liegt innerhalb eines abgesperrten Naturschutzgebietes im Rückhaltebecken der Ohm. Zwar finden sich hier wie auch in den angrenzenden Ausgleichsflächen viele Brutvögel ein - die Domäne von Radenhausen ist jedoch die Beherbergung von Zugvögeln zu den Hauptzugzeiten August/September bzw. März/April. Je nach Wasserstand bilden sich mehr oder weniger große Schlickflächen, auf denen die Limikolen wie auf einem. Präsentierteller nach Nahrung suchen. Zum Limikolen-erlernen und -beobachten gibt es im ganzen Raum kaum einen besseren Ort, da hier an guten Tagen manchmal ein ganzes Dutzend verschiedener Arten gleichzeitig zu sehen sind. Auch hat man in Radenhausen durchaus eine Chance, mal einen rastenden Schwarz- oder Weißstorch, Kranich oder Großen Brachvogel zu sehen. Eine Besonderheit ist der Hochstand, von dem aus sich das gesamte Gebiet gut überblicken läßt. Wegen der großen Beobachtungsdistanz ist die Mitnahme eines Spektivs zu empfehlen. An den Wänden und dem Fuß der Leiter sind Erklärungstafeln mit den häufigsten Arten angebracht. Zudem findet man einen Kasten, in dem aktuelle Beobachtungen eingetragen werden. Für die Pflege der Ufervegetation und des Schlicks sorgt eine Herde schottischer Hochlandrinder, die in friedlicher Koexistenz mit den Wasservögeln lebt.

Erlensee - KG Niederwald – Wohrasandfang

Die drei Beobachtungsbereiche sind ein Beispiel dafür, daß sich Vögel recht wenig um unsere raumplanerischen Absichten kümmern. So ist der Erlensee zwar Naturschutzgebiet mit gepflegtem Rundgang und etlichen Informationsmöglichkeiten - für die Vogelbeobachtung jedoch ungleich interessanter ist die ungeschützte Kiesgrube in Niederwald. Hier haben sich nicht nur Gänsekolonien angesiedelt, auch verschiedene Seeschwalben- und Möwenarten sind hier immer wieder zu sehen. Vor allem aber bieten die vielen Schlickflächen optimale Bedingungen für eine Vielzahl von Limikolenarten. Da der Bereich gleichzeitig Angel-, Surf-, Bade- und Kiesabbaurevier ist, verwundert es, wie sehr sich auch sonst ausgesprochen scheue Vögel diesem Trubel angepaßt haben. Einen Abstecher wert ist auch der Wohrasandfang, der unmittelbar am Sportplatz Kirchhain gelegen ist. Hier sind einige Arten (Reiherente, Tafelente, Bläßhuhn, Nilgans) besonders zutraulich, da sie quasi das ganze Jahr über gefüttert werden. Auch seltene Arten wie z.B. die Moorente wurden hier schon gesehen.

Freizeitsee/Kiesgrube Niederweimar

Der Bereich Freizeitsee/Kiesgrube Niederweimar ist ein komplexes Gebiet, dessen Artenvielfalt sich erst bei intensiver Beobachtung im Jahresverlauf erschließt. Das weitläufige Gebiet umfaßt 3 völlig unterschiedlich strukturierte Bereiche: 1. Die derzeit bewirtschafteten Kiesgruben mit steilen Sandhängen, einer Vielzahl von Lachen und ausgedehnten Ödflächen (grau eingezeichnet). 2. Der südliche Freizeitsee (Frischwassersee) mit angrenzendem Schilfgebiet (Absetzteiche), der von einem Angelverein genutzt wird. 3. Der nördliche Freizeitsee mit einem abwechslungsreichen Vegetationssaum, an dem im Sommer reger Freizeitbetrieb herrscht. Den See kann man nur zwischen Oktober und Ende April umrunden, da die Tore mit Beginn der Badesaison geschlossen werden. In dem Bereich finden sich einerseits typische Kiesgruben- und Teichbewohner ein, andererseits dient er auch als Trittbrett für erstaunlich viele Zugvogelarten. Die 83 Artenfotos unten sind Originalaufnahmen aus dem Bereich der Kiesgrube/Freizeitsee Niederweimar und repräsentieren nur einen Ausschnitt der hier beobachteten Arten. Das Gebiet ist außerdem eine Option für Bartmeisen, Purpurreiher, Wasserralle, Tüpfelsumpfhuhn, Eisente u.v.a.

New Botanical Garden

Vom ehemaligen Geheimtip hat sich der Botanische Garten auf den Lahnbergen längst zu einer Attraktion für Wißbegierige und Entspannungsuchende aus dem gesamten Umkreis entwickelt. Am Kassenhäuschen kann man jetzt einen Führer erstehen, der über die Geschichte und die vielfältigen botanischen Anlagen Auskunft gibt. Ein solch abwechslungsreiches und großes Areal mit Gewässer-, Heide- und Waldzonen inmitten des Staatsforstes ist natürlich auch für die Vogelbeobachtung höchst interessant. So wurde z.B. 1980 hier der erste hessische Karmingimpel entdeckt. Im Rahmen des Fördervereins werden in Zeitabständen immer wieder ornithologische Führungen durch den Botanischen Garten veranstaltet.

Schlossberg in Marburg

In dem abwechslungsreichen Baum- und Buschbestand des Schloßberges und auf dem Schloß selber spielt sich hin und wieder ein nicht uninteressantes Vogelleben ab. Natürlich sind hier nur die Arten vorzufinden, die mit dem Besucherandrang und den diversen Festivitäten auf dem Schloßberg klarkommen, Amsel, Buchfink und Kohlmeise natürlich, aber auch der Buntspecht, der Kleiber, die Sumpfmeise, die Schwanzmeise, der Grünfink, im Winter der Bergfink und im Sommer der Grauschnäpper etwa. Die Schloßtürme selber sind die Heimat gleich mehrerer Turmfalkenfamilien. Zur Paarungszeit Ende März/Anfang April liefern sie sich rasante Verfolgungsjagden und man kann ihre Balzspiele aus nächster Nähe beobachten. Ein weiteres Spektakel bietet sich im Herbst, wenn Rabenkrähen und Dohlen den Marburger Luftraum übernommen haben und um den Schloßturm herum ihre Schauflüge veranstalten. Last not least kann man im Herbst Kranichzüge vom Schloß aus beobachten, die manchmal auch recht nah vorbeifliegen

Schloßpark Rauischholzhausen

Das Schloß Rauischholzhausen mit seinem weitläufigen Park ist nicht nur der Geheimtip für einen schönen Sonntagsausflug, sondern bietet auch ideale Voraussetzungen für die Vogelbeobachtung. Der Park selbst mutet an wie ein Märchenwald mit Teichen, Bächen, verschlungenen Pfaden und einem uralten Baumbestand. Dazwischen gibt es immer wieder größere Freiflächen, also Bedingungen, die viele Vögel besonders schätzen. Der kleine Standardrundgang führt vom unteren Teich (Enten und Schwäne) am Schloß vorbei bis zum oberen Teich (Eisvogel). Eine Tageswanderung läßt sich unternehmen, wenn man einfach in das südlich an den Schloßpark grenzende große Waldgebiet weitergeht. Hier kann man auf einem ausgewiesenen Wanderweg z.B. in das 5 km entfernte Dreihausen gelangen. Der Wald ist besonders reich an Spechten jeder Art und auch Waldkäuze sind manchmal zu hören. In Dreihausen selbst liegen die Basaltsteinbrüche, die von Vogelbeobachtern ebenfalls gerne aufgesucht werden.

Vogelpark Uckersdorf

Nur knapp 1 Autostunde von Marburg entfernt liegt der Vogelpark Herborn-Uckersdorf, in dem rund 100 einheimische und fremdländische Vögel leben. Der Park ist von Mitte März bis Anfang November täglich von 9:30 bis 18:00 Uhr geöffnet. Adresse: Vogelpark Herborn-Uckersdorf - Im Beilsbach 16 - 35745 Herborn-Uckersdorf. Zur Homepage des Vogelparks
http://www.vogelpark-herborn.de/

Zugvogel-Beobachtungstag auf dem Altenberg

Bei strahlendem Sonnenschein und bestem Beobachtungswetter fand am 16.10.2005 der diesjährige bei Odenhausen an der Lahn statt. Veranstaltet wurde der Beobachtungstag von der Arbeitsgemeinschaft der NABU-Ortsgruppen Lollar, die fachliche Leitung oblag dem Ornithologen Dr. Martin Kraft, Universität Marburg. Einige Highlights konnten im Bild festgehalten werden. Bitte klicken Sie auf die Miniaturfotos

  contributor

 

Roland Graf
(Oberhessen)
phyllborealisATgmx.de [replace AT with @]

  trip reports

 

Travelling Birder
http://www.travellingbirder.com
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